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Schwäbisch Gmünder AGV Geschichte

Nichts Herausragendes wird in deutschen Landen über die Schwaben erzählt, außer, dass sie besonders geizig und ein Volk von „Häuslesbauer“ sein sollen. Und weil schon ein berühmter schwäbischer Dichter und Denker (Täddeus Troll) festlegte, dass der Schwabe mit dem 40. Lebensjahr „gescheit“ werden solle.

Fremden, bzw. Auswärtigen mag die Stimmung wie Karneval vorkommen. Und mit dieser ausgelassenen Art von Lebensfreude liegen sie bei den Gmündern sicher richtig. Denn die vormals freie Reichsstadt hat sich mit zahlreichen Fest- und Feierlichkeiten ein Stück ihrer ehemaligen Unabhängigkeit bewahrt. So liegt wohl darin die Antwort auf die Frage nach der Ursache dieser alljährlichen Jahrgangsfeste.

Das erste überlieferte Jahrgangsfest in Schwäbisch Gmünd wird auf das Jahr 1863 datiert und begann mit einem 50er Fest. In der damaligen Zeitungsquelle stand „Gmünd, 9. Februar…..Letzten Samstag feierten im Gasthaus „zum Pfauen“ dahier die im Jahre 1813 geborenen ihr 50jähriges Wiegenfest. Die fröhlichste Stimmung durchwehte den ganzen Abend die zahlreiche, auch von Frauen besuchte, Gesellschaft. Gesang und Deklamation wechselten ununterbrochen ab……….“

Über zwanzig Jahre feierten die Gmünder öffentlich in dieser Form lediglich das 50er Fest und zwar immer zur Fastnachtszeit. Erst im Jahre 1874 wurde dieses karnevalistisch anmutende Ereignis auf die Sommermonate verlegt. Knapp 10 Jahre später ist durch die Gmünder Rems-Zeitung vom 28. Mai 1883 das erste 40er Fest belegt.

Musik, Tanz, Geselligkeit und die feierliche Huldigung des Alters mit der dadurch erreichten Reife sind und bleiben bis heute die tragenden Elemente der Schwäbisch Gmünder Altersgenossenvereine. Nicht anders ist zu erklären, dass alle Männer obligatorisch in schwarzen Frack und Zylinder, und die Damen in festlichen Roben durch die mittelalterlichen Straßen von Schwäbisch Gmünd ziehen.

Mit einem bis weit über Gmünd hinaus hörbaren Böllerschuss beginnt am Samstagmorgen das Ereignis. Die alljährlichen Festzüge durch die Innenstadt werden von zahlreichen Musikkapellen und Festwagen angeführt. Die Strassen Gmünds sind gesäumt von Tausenden, welche ganz unbenommen die Festteilnehmer mit Blumen und allerlei Kuriosem überraschen. So zieht manch ein Altersgenosse einen geschmückten Leiterwagen hinter sich her oder werden überdimensionierte Wanderstöcke mit allerlei Behang versehen.

Erreicht der Festzug den Marktplatz von Schwäbisch Gmünd, halten an der Johanniskirche alle Altersgenossen inne: vom Johannisturm wird das „Grüß die Gott Alois“ geblasen, in dass sogleich alle Altergenossen und die Bürger von Gmünd mit einstimmen.

Die Tradition der Jahrgangsfeste in Schwäbisch Gmünd pflegen rund 50 Altersgenossenvereine. Gegründet werden sie in der Regel dann, wenn ein Jahrgang sein 30. Lebensjahr erreicht hat. Welches bindende Element der Stadt dabei zufällt, das haben auch Stadtväter inzwischen erkannt. Deshalb unterstützt auch die Stadt Schwäbisch Gmünd die Vereine bei ihrer alljährlichen Ausrichtung ihrer Jahrgangsfeste.

Die Jahrgangsfeste beginnen jedes Jahr am 2. Samstag im Juni. Den Auftakt bildet dazu dass vom AGV-Dachverband ausgerichtete „Big“ Altersgenossenfest, das „Aloisle-Fest“, welches immer Freitags, 1 Woche vor Beginn der Jahrgangsfeste, stattfindet.

Gez. Thomas Steeb, 27. März 2006